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Interview: Stereo Total

Interview: Stereo Total

Warum Françoise in der nächsten Zeit gerne Heidi Klum entführen möchte und welchen Song Brezel niemals an erste Stelle eines Albums setzen würde, haben die beiden von Stereo Total uns unter vier vielmehr sechs Augen verraten. Am 26.02. erscheint ihr neues Album „Les Hommes“.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?
Françoise:
Wir haben uns kennengelernt vor sehr langer Zeit. Anfang der 90iger Jahre in der Adalbertstraße in Kreuzberg. Es gab die Mauer nicht mehr, aber er wohnte auf der Ostseite und ich auf der Westseite. Wir haben uns immer beim einkaufen gehen getroffen. Haben uns immer gesehen „Hallo“.

Gibt es die Läden heute noch?
Françoise:
Ja, z.B. die Bäckerei. Oder gibt es die noch? Mh, ne.
Brezel: Da ist jetzt ein Spätkauf drin. Aber an sich gibt es sie noch.
Françoise: Ja genau. Irgendwann haben wir dann miteinander gesprochen und festgestellt, dass wir beide Musiker sind. Er hatte damals eine Band „Sigmund Freud Experience“.
Brezel: Françoise war ja stadtbekannt wie ein bunter Hund, auch mit ihrer Band „Lolitas“. Das war eh so eine markante Figur, sie war nicht zu übersehen.
Françoise: Ja und dann nachher haben wir entschieden, versucht miteinander Musik zu machen. Das erste Stück, das wir aufgenommen haben, war eine Art erotisches Küchenrezept. Aber wir haben das Stück verloren, es ist irgendwie im Nirvana verschwunden. Das Stück hat glaube ich 15 Minuten gedauert, war was ganz anderes als wir heute machen.
Wie hat eure musikalische Reise überhaupt begonnen? Wie seid ihr zur Musik gekommen?
Françoise:
Das wollte ich schon immer. Ich habe schon immer als Kind immer gesungen bei Hochzeiten und so.

Basic RGBDa gab es bei dir keinen Plan B?
Françoise: Ne. Also nicht Hauptberuflich, einfach nur so aus Spaß. Und der Jung auch. Oder?
Brezel: Ich habe nicht drüber nachgedacht, dass ergibt sich auch einfach. Ich glaube sowas zu planen … Ich habe sogar festgestellt, je mehr ich versuche zu planen und versuche irgendwas geschehen zu machen, desto schwieriger wird es im Grunde genommen.
Auch wie jetzt warum die Platte „Les Hormones“ heißt. Ihre erste Band sollte auch Les Hormones heißen, die wollte sie mit Kumpels aus ihrem Dorf auf machen und die haben die Band dann ohne sie gegründet, weil sie keine Mädels dabei haben wollten. Als Françoise mir diese Geschichte erzählt hat, dachte ich sofort wir sollten Stereo Total umbenennen. Im Grunde genommen hat Musik machen auch immer total viel mit Selbstbehauptung und sich durchzukämpfen oder seine eigene Vorstellung zu realisieren gegen den Wiederstand von außen zu tun.

Wie seid ihr an das neue Album ran gegangen? Wie lange habt ihr zum Schreiben gebraucht?
Françoise:
Oh, wir haben sie ziemlich schnell gemacht. Manchmal packt es mich und ich schreibe total viele Songtexte, vielleicht 100 oder so. Die sind dann in Heftchen und die habe ich Bretzel gegeben. Er hat ein paar ausgesucht die jetzt auf der Platte sind. Und dann gibt es auch andere, die wir speziell für die Platte gemacht haben, wie z.B. „Zu schön für dich“
Brezel: Aber all meine Heftchen, dass hört sich jetzt nach so einem ganz kleinen Stapel an. Aber das war – er demonstriert einen riesigen Berg – ein Koffer voller Zettel und darüber noch mal 2 Ordner mit Zettel. Es war unglaublich viel Material aus unterschiedlichen Zeiten. Im Grunde genommen war alles gut. Manchmal liest man einen Text und man merkt einfach der Rhythmus ist da, die Melodie ist da, alles ist da und genau die habe ich raus gesucht. Das interessant war auch, dass die Texte zurück bis in die 80iger Jahre gingen. Ich habe auch Texte gefunden, die das Selbe Thema behandelt haben, die man teilweise auch miteinander kombinieren konnte.

Weiß du sofort beim Schreiben, in welcher Sprache das Lied letztendlich sein wird?
Françoise: Ja das weiß ich immer sofort. Mine erste Idee ist meistens ein Satz, wie z.B.: „Ich liebe Liebe zu Dritt“ oder „Du bist schön von Hinten“ und dann kommt der Rest. Ich schreibe auch meistens nicht linear. Ich fange damit an Wörter zu sammeln und sortiere sie nach dem Klang. Es gibt auch Wörter, die ich niemals in einem Lied benutzen würde, weil sie für mich scheiße klingen oder nicht schön singbar. Dann versuche ich Interaktionen herzustellen. Also Pfeile von einem Wort zum nächsten. Und dann, Voila! Aber manche Lieder fallen mir direkt ein. Wie zum Beispiel bei einem Lied von der letzten Platte. Da war ich in einer Bar und habe nach einem kleinen Zettel gefragt. Das Lied habe ich von der ersten bis zur letzten Zeile auf einmal runter geschrieben. Das hat ca. 3 Minuten gedauert. Und bei anderen Liedern wiederrum ist es eine totale Fummele.

Lässt du dir in deine Texte rein quatschen?
Françoise: Manchmal ein bisschen, aber nicht zu sehr. Ich mag das nicht, dass man anfängt mich da zu kritisieren. Wenn es fertig ist, ja, aber nicht vorher. Wenn ich einen Text schreibe und Bretzel nörgelt rum, das Endet manchmal im Streit.

donnerknispel_Stereo_Total_inna_bathWie kam es denn zur Reihenfolge der Songs auf eurem neuen Album „Titel“?
Françoise:
Die habe ich gemacht. Ich habe ein bisschen rum probiert und überlegt, was man am Anfang machen sollte und was mehr am Ende. Ich habe es sozusagen wie früher bei einer LP gemacht. Sprich mit Seite A und Seite B. Da braucht man sich nur jeweils mit 7 Song für Seite A und Seite B rumzuschlagen. Und dann ist es so geworden.
Brezel: Das erste Lied ist wichtig. Da hatte Françoise einen guten Riecher. Ich habe eine Band aufgenommen und die hatten so ein Remix als erstem Lied gesetzte. Ihre Lieder waren normal so 1:10 lang. Der Remix war ein total krasser Stilbruch. Zudem war das Lied auch noch über 5 Minuten lang. Da dachte ich mir „Oh man, das ist ja künstlerischer Selbstmord.“ Aber es hat funktioniert, jeder der die Platte gehört hat, hat gesagt, dass diese Platte nicht nur die beste Punkblatte des Jahres sei. Sie geht auch gleich noch mit einer Unverschämtheit los. Mit dem ersten Lied ist wirklich viel möglich.

Im Bezug zum 1. Song „Zu schön für dich“ von eurem neuen Album „Les Hormones“. Was waren eure Vorbilder in der Jugend? Hattet ihr überhaupt welche?
Françoise: Ja klar, alle haben Vorbilder. Lass mich mal überlegen…Mh… Musikerinnen auf jeden Fall. Multitalente wie zum Beispiel Colette, die eine Schauspielerin, eine Schriftstellerin und eine Tänzerin war.

Habt ihr für die heutige Jugend eine Vorbildsperson, die ihr empfehlen würdet? Hattest du jemand bestimmtes im Kopf beim schrieben des Songs?
Françoise: Wir selber haben keine Kinder, aber ich merke das bei den Kindern meiner Freundinnen. Die machen sich total fertig, wenn sie „Germany Next Top Model“ schauen, da sie nicht den „Normen“ entsprechen und dann drehen sie durch. Ich denke mir dann immer „Oh die Armen, die tun mir echt leid.“ Und genau deswegen habe ich dieses Lied geschrieben. Ich wollte diese Mädchen trösten und auf eine andere Ebene bringen. Ich hatte sowieso vor, irgendwann mit jungen Mädchen eine totale Verarschung von Germanys Next Topmodel als Theaterstück zu machen. Bei der Heidi Klum entführt wird und nur die Dicken mit den Pickeln super Erfolg haben. Totales

Gibt es auch ein Thema über das du gar keine Lieder schreiben würdest? Oder sagt ihr niemals nie?
Françoise:
Ja wir sagen schon niemals nie, aber ich schreibe einfach keine Lieder über Themen die mich nicht interessieren. Ich möchte auch nicht zu ernste Lieder schreiben. Es ist mir wichtig, das unsere Texte ein bisschen leichtsinnig und amüsant sind. Ich bin nicht super ernst, aber ich könnte sehr ernste Texte schreiben, aber ich möchte das nicht.

Pochettes OKIhr habt bereits für verschiedene Filme die Filmmusik geschrieben. Gibt es da auch einen Film, dem ihr gerne mal neue Musik verpassen würdet?
Françoise: Viele Filme von Chabrol. Ich glaube das ist so, weil er immer seine ganze Familie einstellt und will das sein Sohn immer die Musik macht. Manchmal denke ich mir, dass es besser gewesen wäre wenn er den Cousin oder wen weiß ich genommen hätte, anstatt des Sohnes. Die Filme sind so schön und dann ist die Musik immer ein bisschen schlecht. Ich meine wenn der Sohn nicht begabt ist, muss man jemand anderen nehmen. Frage an Brezel: Oder findest du die Musik gut?
Brezel: Nein, aber ich finde die Einstellung gut, unfähigen Leuten einen Job zu geben.
Françoise: Na gut, ja das ist nett, stimmt.
Brezel: Ist doch ein ganz schöner Aspekt, wenn man sich um die Unfähigen kümmert.

Unterscheidet sich eure Arbeitsweise zwischen Filmmusik und Musik die ihr für eure Alben schreibt?
Françoise:
Ja. Filmmusik macht hauptsächlich Brezel. Wir können natürlich den Inhalt des Films nicht vollkommen ignorieren.
Brezel: Ich sitze da und heule rum. Weil normaler weiße gibt mir Françoise Anweisungen. „Mach jetzt mal das“ und dann führe ich genau das aus. Und bei Filmmusik schaue ich mir den Film an und mir fällt nichts ein.
beide Lachen

Bei der Film Musik ist es also genau andersrum. Erst kommt die Melodie und dann die Texte?
Françoise: Ja. Wobei für den nächsten Film kam erst der Text.
Brezel: Aber es ist auch immer so Erkenntnis und Interesse. Manchmal merke ich auch das Françoise manche Projekte zwar mit macht, aber so gar nicht so ein …
Françoise: Also wenn ich etwas von dem Film oder den Filmemacher halte, dann habe ich mehr Lust mitzumachen. Wenn ich das für so lala halte, dann mache ich mit, aber ich schreibe dann keine Stücke.
Brezel: Für mich ist es wie ein Gedankenspiel. Manchmal denke ich, das passt jetzt da rein und das da, da könnte man was Gutes machen. Ich versuche manchmal sogar Sachen, die ich nicht so gut finde, mit einer guten Musik richtig aufzuwerten.
Françoise: Du versuchst eher die scheiß Filme mit deiner Musik zu retten.
Brezel: Ne, also jetzt nicht so. beide lachen
Brezel: Ich denke schon, dass könnte dem Ganzen eine neue Bedeutungsebene geben. Jetzt nicht so, dass ich denke ich bin besser als der Filmemacher

donnerknispel_StereoTotalPause von mir
Brezel: So hau mal raus. Hast du noch Fragen?
Ich: Die großen Themen habe ich jetzt alle abgedeckt. Ich habe nur noch ein paar Pufferfragen.
Brezel: Ja genau, das sind die Fragen die uns interessieren, nicht die großen Überthemen.

Ok. Dein Wunsch sei mir Befehl. Welche Platten laufen gerade in eurem Plattenspieler?
Bretzel steht auf und schaltet den Plattenspieler ein, es ertönt eine Musik die ich zunächst überhaupt nicht einordnen kann.
Bretzel: Indische Kitsch Musik.
Françoise: Ja, genau, wir sollen für einen indischen Film die Musik machen und wir wollten hören, wie Inder so Musik machen. Frage an Bretzel: Ist dass das was ich dir geschenkt habe?
Brezel: Ja. Als klar war, dass wir diesen indischen Film machen ist Françoise auf den Flohmarkt und hat mir 4 Platten gekauft. Zum einen Soundeffekts (hält die Platte ganz stolz hoch und lacht dabei), Shankar family and friends. Das ist das was gerade lief.
Françoise: Das war gar nicht so schlecht.
Brezel: Und vorhin haben wir auf dem anderen Plattenspieler eine Rockabilly Platte gehört. Aus den 50er Jahren, wo sie über lila Cadillacs singen.

Wie sieht für euch das perfekte Essen aus? Morgens, mittags oder abends?
Brezel:
Also erst mal ein bisschen mehr.
Françoise: Also eher abends. Morgens habe ich überhaupt kein Hunger, mittags habe ich hier in Deutschland keine Zeit.
Abendessen mit Freunden. Richtig großes Essen, jeder bringt was mit. Vielleicht liegt es daran, dass ich Französin bin, aber ich mag gerne Essen in Gesellschaft mit plaudern. Nicht so, Essen irgendeinen Schrott mit Computer und Telefon. Ich kann das überhaupt nicht leiden, wenn ich mit jemand essen gehe und die holen ihren Computer oder ihr Telefon raus.

Danke für das Interview und eure Zeit.

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Musik Knispel

RAMMSTEIN hat mich zum Bau eines eigenen Flammenwerfers inspiriert, während ich bei Kontra K zum Fangirl mutiere. Mein erstes Konzert war "The Kelly Familie", was meinen Musikgeschmack wohl lebenslänglich beeinflusst hat.

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